Im Jahr 891 wurde Formosus Papst, nachdem er vorher Bischof von Porto gewesen war. Die Rechtmäßigkeit seiner Papstwürde wurde zu Lebzeiten nicht bestritten. Doch ein Jahr nach seinem Tod 896 ließ sein Nachfolger Papst Stephan VI. die Leiche des Formosus aus dem Grab nehmen und inszenierte auf einer Synode in Rom 897 eine Gerichtssitzung gegen den Verstorbenen. Die Gebeine des Formosus wurden für diesen Anlass in päpstliche Gewänder gehüllt. Formosus wurde angeklagt, gegen kirchliches Recht vom Bischofssitz Porto auf den römischen Bischofssitz gewechselt zu sein. Deshalb sei er niemals legitimer Papst gewesen. Seine Verteidigung wurde pro forma von einem Diakon übernommen. Alle seine Amtshandlungen wurden für ungültig erklärt, die Leiche verstümmelt und in den Tiber geworfen. Die "Leichensynode" rief bei den Zeitgenossen Entsetzen hervor und führte zu einer hochpolitischen Debatte über die rechtmäßige Papsterhebung des Formosus. Teilweise hat diese Diskussion ihren Niederschlag in Inschriften gefunden. Der Vortrag wird diesen spektakulären Prozess gegen Formosus und seine Hintergründe darlegen und einordnen.
10. Oktober 2025, 18.00–19.30 Uhr
Eine Veranstaltung des DHI-Freundeskreises in Zusammenarbeit mit dem Institut.
Deutsches Historisches Institut in Rom
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Vortrag in deutscher Sprache
Kontakt bei Schwierigkeiten mit der Anmeldung: info-event@dhi-roma.it