Divan historique mit Tatjana Tönsmeyer (Univ. Wuppertal): Unter deutscher Besatzung: Europa 1939–1945

29.09.2025 | Podiumsdiskussion | DHI Paris| online + vor Ort (Goethe-Institut Paris)

Auf dem Höhepunkt der deutschen Machtentfaltung im Zweiten Weltkrieg lebten von Norwegen bis Griechenland und von Frankreich bis in die Sowjetunion 230 Millionen Menschen unter deutscher Herrschaft. Sie alle mussten sich mit den Besatzern arrangieren und machten Erfahrungen, die bis heute nachwirken. In ihrem Alltagsleben, am Arbeitsplatz, im Umgang mit Behörden und Militärs. Und jeder Kontakt mit den Besatzern konnte in Gewalt umschlagen.

Mit ihrem Buch Unter deutscher Besatzung. Europa 1939–1945 (C.H. Beck, 2024) hat Tatjana Tönsmeyer die erste Geschichte des deutsch besetzten Europas geschrieben, die die Perspektive der Besetzten und nicht der Besatzer einnimmt. Sie legt damit ein dunkles Erbe frei, das unterschwellig immer noch im Verhältnis der europäischen Nachbarn zu Deutschland präsent ist. Millionen von Menschen erlebten tiefe Einschnitte in ihrem Lebensalltag, in ihrer Wohnsituation, in ihrer Versorgungslage und an ihrem Arbeitsplatz. Die deutschen Besatzer erließen neue Regeln, spalteten die Gesellschaften und schufen eine Atmosphäre, in der Gewaltanwendung immer eine Option darstellte – vor allem für die Jüdinnen und Juden, die zusätzlich einer genozidalen Verfolgung ausgesetzt waren. Die zivilen Opfer überstiegen in den besetzten Gebieten die Zahl der toten Soldaten. Gleichzeitig stellten die Menschen in besetzten Gesellschaften keine homogene Masse passiver Opfer dar. Sie hatten Handlungsoptionen, die sie nutzen konnten, um sich zu verweigern – oder sich den Besatzern anzudienen. Tatjana Tönsmeyer zeigt eindrücklich, wie die deutsche Besatzung das Leben von Millionen Europäerinnen und Europäern veränderte, und was es bedeutet, unter einer Besatzungsherrschaft zu leben.

Prof Dr. Tatjana Tönsmeyer lehrt Neuere und Neueste Geschichte an der Univ. Wuppertal. Sie ist eine der besten Kennerinnen der Geschichte des Zweiten Weltkriegs und der besetzten Gesellschaften in Europa. Dr. Jean-Luc Leleu (CNRS/Histemé) kommentiert das Buch und diskutiert mit der Autorin, Prof. Dr. Corine Defrance (CNRS/Sirice) und Prof. Dr. Ulrich Pfeil (Univ. Lothringen) moderieren.

Anmeldung für eine Teilnahme vor Ort oder über Zoom: über die Website des Goethe-Instituts

Veranstaltung in deutscher und französischer Sprache (mit konsekutiver Übersetzung).

Der Divan historique wird in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Paris, der Univ. Lothringen/Cegil und der UMR SIRICE (Univ. Paris 1/Sorbonne Univ./CNRS) organisiert.