Sondervorstellung "TRAUGOTT" mit Filmgespräch

10.12.2023, Filmvorführung, OI Istanbul, "Die Kamera" in Heidelberg

TRAUGOTT


Sondervorstellung am Sonntag, 10.12., 13:00 Uhr
Ort: Die Kamera, Brückenstraße 26, Heidelberg


Filmgespräch mit Regisseur Dirk Schäfer, Dr. Richard Wittmann (stellvertretender Direktor des Orient-Instituts Istanbul) und Dr. Hermann Fuchs.

Der Eintritt ist frei! Anmeldung erforderlich bis Fr 08.12.23 per E-mail an info@gloria-kamera-kinos.de


Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichte von Traugott Fuchs, der 1906 im Elsass geboren wurde und 1997 in Istanbul starb. Er war Professor (Universität Istanbul & Bosporus Universität) für Literatur, Germanistik und Romanistik, Übersetzer, Maler und einer der Intellektuellen, die 1934 Nazi-Deutschland verließen und in die Türkei emigrierten. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen blieb er bis zu seinem Lebensende in  Istanbul, wo er seine Talente und Fähigkeiten weiterentwickeln konnte und von wo aus er Kontakte in die ganze Welt pflegte. Nach seinem Tod hinterließ Traugott Fuchs ein umfangreiches Archiv mit vielfältigen Materialien und Dokumenten, darunter Tausende von Skizzen und Hunderte von Gemälden. Dieses Archiv befindet sich nun im Besitz des Orient-Instituts Istanbul, das es für die wissenschaftliche Forschung zugänglich machen wird. Sein Leben ist ein positives Beispiel dafür, wie deutsche Exilwissenschaftler in der Türkei und insbesondere in Istanbul eine neue Heimat gefunden, zur universitären Lehre und zum kulturellen Reichtum in diesem Teil der Welt beigetragen haben. Der 50-minütige Dokumentarfilm wurde von Richard Wittmann für das Orient-Institut Istanbul produziert. Er wird von ihm im Beisein des Filmemachers Dirk Schäfer vorgestellt. Im Anschluss an die Vorführung des Films in deutscher Sprache mit türkischen Untertiteln wird es eine Fragerunde mit dem Produzenten und dem Filmemacher geben.

Dirk Schäfer
Für seinen Debütfilm DIE WEISSEN ZWERGE wurde Dirk Schäfer 1989 mit dem Regiepreis des Max Ophüls Festivals in Saarbrücken ausgezeichnet. Es folgten zwei weitere Spielfilme für das ZDF: WILMA WOHNT WEIT WEG und ACHTUNDZWANZIGTAUSEND WÜNSCHE. 1996 drehte er ALIS WELT, seinen ersten Dokumentarfilm, für den Berliner SFB. Nach einem Aufbaustudium an der Kunsthochschule für Medien in Köln und einer Meisterklasse an der Andrzej Wajda Film School in Warschau zog er 2006 für viele Jahre nach Istanbul, wo er unter anderem als Dozent für Film an der Bilgi Universität arbeitete. Seine bisher mehr als 20 Spiel- und Dokumentarfilme wurden auf Festivals in Berlin (Forum), San Sebastian, Cannes, Oberhausen, Leipzig, Clermont-Ferrand, New York und Sydney gezeigt.


Dr. Richard Wittmann ist stellvertretender Direktor des Orient-Instituts Istanbul. Er studierte Rechtswissenschaften, Islamwissenschaft und Turkologie in München und Berlin. 2008 promovierte er an der Harvard-Universität in den Fächern Geschichte und Nahostwissenschaften mit der Dissertation "Before Qadi and Grand Vizier: Intra-Communal Dispute Resolution among Christians and Jews in the Plural Society of 17th
Century Istanbul". Wittmanns Forschungsinteresse gilt der Rechts- und Sozialgeschichte des Osmanischen Reichs, Fragen der Identität und des Zusammenlebens im osmanischen Vielvölkerstaat und der Republik Türkei, sowie Selbstzeugnissen als historischen Quellen. Zu seinen jüngsten Publikationen zählt ein Führer über den Protestantischen Friedhof Feriköy, auf dem sich auch das Grab von Traugott Fuchs befindet.