12. Februar 2025 | 15:15 OEZ | Helsinki, Aleksanteri Institut, Unioninkatu 40 Metsälalo | Raum: Humina
Das Max Weber Forum Helsinki organisiert zusammen mit dem Aleksanteri Institut zwei Vorträge von Gasan Gusejnov und Marina Dmitrieva über die aktuellen soziokulturellen Entwicklungen im ukrainisch-russischen Diskurs angesichts des Krieges. Die Veranstaltung findet im Aleksanteri-Institut statt, es besteht aber auch die Möglichkeit, eine Online-Übertragung anzuschauen.
In seinem Vortrag wird Gasan Gusejnov die grundlegenden Schwierigkeiten beim Studium der Sprache der russischen politisch-wirtschaftlichen Emigration 2022-2025 untersuchen.
Nach dem 24. Februar kam es, abgesehen von dem Kriegsereignis mit all seinen Schrecken und Verbrechen, zu einem Exodus von Zehntausenden von Russinnen und Russen aus der Russischen Föderation und der Ukraine in verschiedene Länder Europas, Asiens und Amerikas. Die soziokulturelle Besonderheit dieser Auswanderung (oder Umsiedlung) bestand darin, dass sich in dieser Kohorte viele aktiv schreibende und sprechende Mensche befanden. Außerdem blieben die Ausgewanderten über die sozialen Medien in engem Kontakt mit den meisten Menschen, die zu Hause geblieben waren.
In kurzer Zeit bildeten sich mehrere sich überschneidende soziale Gruppen, die sich verschiedener gegensätzlicher Narrative bedienten.
Ziel des Berichts ist es, die Sprache der Selbstbeschreibung dieser Gemeinschaften und die polemische Beschreibung der ‘Anderen’ (Umsiedler*innen, Emigrant*innen, Anti-Putin/ Anti-Kriegs-Oppositionelle, diejenigen, die gegangen sind, ostavantsy und ot”yezzhanty, pro-ukrainische Russinnen und Russen, diejenigen, die “für die ukrainischen Streitkräfte spenden”, ausländische Agent*innen, Vatniks und Zetniks, Normalisierer*innen und Loyalist*innen usw.) aufzuzeigen.
Die Menschen in diesen virtuell-realen Gemeinschaften sprechen in sozialen Netzwerken und im realen Leben miteinander und verwenden dabei für sie neue Genres, deren Arbeit viel Zeit, geistige und intellektuelle Energie verschlingt. Ein kurzer Überblick über die neuesten kommunikativen Genres, die auf TikTok, Instagram, Facebook und Telegram vorherrschen, ist der erste intuitive Ansatz für eine systematische Beschreibung der aktuellen russischen soziopolitischen Rhetorik. In den fünf Jahren seit dem Skandal um die „Kloakensprache“ hat sich ein neues Verständnis der offiziellen russischen politischen Rede als „Nekro-Sprache“ (A. Arkhipova) herausgebildet.
Gasan Gusejnov
Die Freie Universität / Brīvā Universitāte, Mitbegründer und Professor, Fakultät für Philologie und Kulturwissenschaften
=> Bitte melden Sie sich bis zum 10. Februar an