This is what I am working on:
Meine Dissertation mit dem Titel The Price of Freedom and the Value of Loss: The Haitian Compensation as the Cornerstone of Post-Colonial Mutation untersucht die von Frankreich 1825 dem unabhängigen Haiti auferlegte Entschädigungsforderung. Im Zentrum steht die Analyse der politischen, rechtlichen und administrativen Mechanismen, durch die diese Zahlungspflicht ausgehandelt, legitimiert und umgesetzt wurde. Auf der Grundlage bislang kaum systematisch ausgewerteter Verwaltungsquellen, insbesondere der États détaillés des liquidations, analysiere ich, wie ein ursprünglich politisch-diplomatisches Zwangsinstrument schrittweise in ein rechtlich kodifiziertes und bürokratisch verwaltetes Entschädigungssystem überführt wurde. Die Arbeit verortet die haitianische Entschädigung im Kontext des frühen 19. Jahrhunderts und versteht sie als zentralen Bestandteil postrevolutionärer Ordnungs- und Besitzpolitik.
What excites me about my field of research?
Mich interessiert insbesondere die gesellschaftliche und politische Relevanz dieser historischen Konstellation. Die Anerkennung Haitis durch Frankreich war für den jungen Staat von existenzieller Bedeutung, zugleich aber an Bedingungen geknüpft, die koloniale Besitz- und Machtverhältnisse fortschrieben. Die Untersuchung dieses Spannungsverhältnisses erlaubt es, langfristige Wirkungen von Kolonialismus, Sklaverei und Revolution auf rechtliche Kategorien wie Eigentum, Entschädigung und Staatsschuld sichtbar zu machen. Zugleich leistet die Arbeit einen Beitrag zu aktuellen Debatten über Reparationsforderungen, indem sie deren historische Genealogien präzise rekonstruiert, ohne sie normativ vorwegzunehmen.
What is the biggest challenge in my research?
Eine zentrale Herausforderung besteht im Umgang mit einem umfangreichen und komplexen Quellenkorpus, der stark administrativ geprägt ist und eine systematische quantitative wie qualitative Auswertung erfordert. Hinzu kommt die Notwendigkeit, juristische, finanzielle und politische Argumentationslogiken miteinander zu verbinden, ohne ihre jeweiligen historischen Kontexte zu nivellieren. Methodisch gilt es, die Eigenlogik bürokratischer Praktiken ernst zu nehmen und zugleich ihre politischen Implikationen analytisch offenzulegen.
Institutional assignment and task:
Mathilde Ackermann ist Doktorandin im Bereich der Globalen Geschichte im Rahmen einer deutsch-französischen Cotutelle zwischen der EHESS in Paris und der Universität Bielefeld. Seit September 2025 ist sie Doktorandin am Deutschen Historischen Institut Paris in der Abteilung Afrika.
Contributions from the thematic portal
Die Anerkennung Haitis durch Frankreich von 1825. Entschädigung, Bürokratie, und postkoloniale Ordnung nach 1825
Als Frankreich 1825 Haitis Unabhängigkeit anerkannte, verlangte es eine Entschädigung für ehemalige Kolonialbesitzerinnen. In den Verwaltungsakten spielen rassische Kategorien keine Rolle mehr. Wie lässt sich dieses Schweigen erklären und was sagt es über koloniale Macht im Gewand der Bürokratie aus?
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