
Als Frankreich 1825 Haitis Unabhängigkeit anerkannte, verlangte es eine Entschädigung für ehemalige Kolonialbesitzerinnen. In den Verwaltungsakten spielen rassische Kategorien keine Rolle mehr. Wie lässt sich dieses Schweigen erklären und was sagt es über koloniale Macht im Gewand der Bürokratie aus?
Vergleiche schärfen den Blick: Zwischen Strindberg und Hodler zeigen sich überraschende Parallelen in Motiven, Farben und Weltbildern. Doch wo Ähnlichkeiten ins Auge fallen, lauern auch Fallen der Interpretation. Was verrät uns der Vergleich – und wo führt er in die Irre? Das untersucht Dennis Jelonnek am Deutschen Forum für Kunstgeschichte in Paris.


Was verbindet die Locken eines Geliebten mit einem tausendköpfigen Drachen? In den Gedichten Sultan Süleymāns (Muḥibbī) wird der Drache zum Bild für Verführung und Gefahr. In ihrer Analyse einer Hamburger Handschrift von 1554 zeigt Christiane Czygan vom OI Istanbul, wie persönliche Dichtung und politische Repräsentation ineinandergreifen – und dabei überraschende Spannungen offenlegen. Der Vergleich mit späteren Handschriften zeigt den Wandel vom experimentellen Ausdruck zur disziplinierten Herrschaftsrepräsentation – und wirft neue Fragen zur Kanonbildung auf.
Ein musikalisches Werk wie ein Haus, gebaut aus Tönen, Texten und Rhythmen – doch was passiert, wenn eines der Elemente aus dem Gleichgewicht gerät? Ersin Mihci erforscht am Orient Institut Istanbul, wie osmanische Musik geschaffen und weitergegeben wurde und wie diese Kunst durch den Einfluss westlicher Musik tiefgreifend verändert wurde.


Das Projekt „Tanz/Musik digital“ erschließt historische Ballettkunst neu: Erstmals werden Musik und Bewegung in einer digitalen Edition vereint und historische Choreographien in 3D-Animationen visualisiert. Das Projektteam bringt Musikhandschriften, choreographische Notationen und ikonographische Quellen zusammen, um Tänze des 18. Jahrhunderts lebendig werden zu lassen. Ein spannendes Projekt, das nicht nur neue Einblicke in die Ballettgeschichte gibt, sondern eine zukunftsweisende Grundlage für die digitale Tanzforschung schafft.
Wie und zu welcher Zeit haben sich die heutigen Nationen im Osten Europas herausgebildet? Der Historiker Andrej Doronin zeichnet die komplexe Entstehungsgeschichte der osteuropäischen Nationen nach.


Die Erforschung der Baugeschichte, Innenausstattung und Sammlungsgeschichte des Palais Beauharnais steht im Zentrum dieses seit 2002 bestehenden Projektes am DFK Paris. Die Residenz des deutschen Botschafters, die noch heute den Namen seines berühmtesten Besitzers, des Prinzen Eugène de Beauharnais (1781–1824) trägt, ist nicht nur einer der wichtigsten Ort der deutsch-französischen Beziehungen in Frankreich, sondern auch das bedeutendste noch erhaltene Palais aus der Zeit Napoleons in Paris.
Während des Zweiten Weltkriegs gerieten bis zu 5,7 Millionen sowjetische Militärangehörige – Männer und Frauen – in deutsche Kriegsgefangenschaft. Mehr als drei Millionen starben an den unmenschlichen Bedingungen der Gefangenschaft oder wurden ermordet. Das deutsch-russische Regierungsprojekt „Sowjetische und deutsche Kriegsgefangene und Internierte“ klärt ihre Schicksale, erschließt neue Archivdokumente und erinnert an eines der größten Verbrechen des Zweiten Weltkriegs.

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